Eine Rechnung, die niemand versteht: Infantino und die 80-Milliarden-WM
Gianni Infantino hat eine neue 80-Milliarden-Dollar-WM-Rechnung aufgestellt, die die Welt der Fußballwirtschaft auf den Kopf stellt. Ist das ein realistischer Plan oder nur ein Luftschloss?
Es ist kaum zu fassen, aber Gianni Infantino, der Präsident der FIFA, hat kürzlich ein gewagtes Konzept vorgestellt, das die Vorstellungskraft sprengen könnte: eine Weltmeisterschaft, die angeblich 80 Milliarden Dollar an Einnahmen generieren soll. Während viele von uns bei solchen Zahlen blass werden, scheint es, als würde Infantino den Fußbal gleichsam als das goldenene Kalb der modernen Wirtschaft ansehen. In einer Zeit, in der selbst die düstersten Wirtschaftsprognosen nicht mehr zu übertreffen sind, kann ich nicht umhin zu fragen: Wo sind wir hier gelandet?
Die ersten Überlegungen zu Infantino's Plan sind ebenso schillernd wie beunruhigend. Zunächst einmal ist da die Frage nach der Realisierbarkeit. Unter normalen Umständen würde man erwarten, dass solche Einnahmen aus einer WM durch Ticketverkäufe, Sponsoren und Übertragungsrechte erwirtschaftet werden. Doch die Hoffnung, dass diese magische Zahl von 80 Milliarden tatsächlich zusammenkommt, scheint mehr Wunschdenken als ein solider Wirtschaftsplan zu sein. Der Fußball ist zwar unbestritten eine der beliebtesten Sportarten der Welt, aber die Weltwirtschaft steht vor Herausforderungen, die auch die Fußballkassen nicht unberührt lassen werden. Die Vorstellung, diese astronomische Summe aus dem Nichts zu schöpfen, ist, gelinde gesagt, optimistisch.
Ein weiterer Aspekt, der mir zu denken gibt, ist die Unverfrorenheit, mit der Infantino die Lösung für die finanziellen Probleme des Fußballs mit einer weiteren Mega-Veranstaltung in Verbindung bringt. Der Druck auf die Verbände, sich an einem solch ehrgeizigen Vorhaben zu beteiligen, könnte die Integrität des Spiels gefährden. Statt wichtige Ressourcen in die Grundlagen des Fußballs zu investieren, könnte die FIFA eine zusätzliche Belastung für die nationalen Verbände darstellen, die ohnehin schon versuchen, ihre Klubs am Leben zu halten. Ein Faustschlag auf die betroffenen Verbände ist das mindeste, was zu erwarten ist.
Natürlich gibt es auch Kritiker, die behaupten, dass Infantino den Fußballsport revolutionieren könnte, indem er einer neuen Generation von Fans eine Plattform bietet. Diese Argumentation, so charmant sie auch sein mag, greift oft zu kurz. Die meisten Fans interessieren sich nicht nur für ein einmaliges Spektakel, sondern für eine nachhaltige Fußballkultur, die über den kurzfristigen Gewinn hinausblickt. Das Einführen von immer größeren und prestigeträchtigen Veranstaltungen könnte in der Tat kurzfristige Einnahmen bringen, aber die Frage bleibt: Was passiert danach? Werden die Klubs und Verbände weiterhin über Wasser gehalten, oder werden sie unter dem Druck der FIFA zusammenbrechen?
Ein weiteres Argument, das häufig hervorgebracht wird, ist der Einfluss der Digitalisierung auf die Generation der Fußballfans. Ja, die digitalen Medien bieten unendliche Möglichkeiten für Fan-Engagement und Monetarisierung. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob diese neue Einnahmequelle ausreichen wird, um die enormen Erwartungen zu erfüllen, die Infantino aufbaut. Haben wir nicht schon genug von übertriebenen Erwartungen, die in der Realität nicht haltbar sind? Immerhin stellen sich viele die Frage, wie lange das Publikum bereit ist, für den Fußball zu zahlen, wenn die Preise immer weiter steigen.
Und nicht zuletzt müssen wir auch den sozialen Aspekt betrachten. In einer Welt, in der soziale Gerechtigkeit und Umweltfragen immer wichtiger werden, könnte der Fußball unter dem Druck von Mega-Veranstaltungen leiden. Infantino mag die Football-Welt als eine Art Investmentfeld sehen, doch der Fußballsport hat auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Ein solches gewaltiges wirtschaftliches Vorhaben könnte die soziale Ungleichheit verstärken, anstatt einen positiven Einfluss zu haben. Die Frage ist, ob die FIFA bereit ist, diesen Preis zu zahlen.
Selbstverständlich könnte man argumentieren, dass die positiven Effekte einer solchen WM die negativen überwiegen. Aber hier muss ich skeptisch bleiben. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass große sportliche Ereignisse oft mit massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten verbunden sind. Wenn die Rechnung nicht aufgeht und die versprochenen 80 Milliarden Dollar nicht in die Kassen fließen, wer trägt dann die Verantwortung? Es wird wohl kaum Infantino selbst sein, der für das Desaster geradesteht. Schließlich ist er der, der die großen Träume und Versprechungen macht.
Insgesamt muss man sich die Frage stellen, ob Infantino mit seinen ambitionierten Plänen nicht lieber einen Schritt zurücktreten sollte. Der Fußball hat mehr als genug Herausforderungen zu bewältigen, ohne dass man ihm noch zusätzliche Belastungen aufbürdet. Die 80 Milliarden-WM-Rechnung könnte sich als nichts anderes als eine Luftblase erweisen, die gerade darauf wartet, zum Platzen gebracht zu werden. Und die, die darunter leiden, sind nicht die von Gold umschlungenen FIFA-Chefs, sondern die Fans, die für die Träume anderer bezahlen müssen.